Wenn erwachsene Männer durch Büsche krabbeln, unter Ästen und Wurzeln wühlen oder scheinbar planlos in die Gegend starren, dann ist oft Geocaching im Spiel. Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd, bei der es kleine »Schätze«, die sogenannten Caches zu finden und zu heben gilt. Diese Caches findet man weltweit und die Zahl der »Hobby-Schatzsucher« steigt täglich.
Wie Sie auch selber zum »Jäger des versteckten Schatzes« werden können und was es genau mit dem Geocaching auf sich hat, erfahren Sie in diesem Artikel.
Geocaching geht auf das schon im 19. Jahrhundert dokumentierte »Letterboxing« zurück, bei dem man mittels Kompass und Hinweisen versteckte Behältnisse aufspüren musste. Auch heute geht es beim Geocaching mehrheitlich darum, verborgene Behälter, die Caches, zu lokalisieren und den Fund im beigelegten Logbuch und auf Webseiten zu dokumentieren. Die Größe dieser Behälter reicht dabei von winzigsten Döschen (Nano- oder Mikro-Caches) bis hin zu sehr großen Behältern. Neben Logbuch und Stift werden in größeren Caches auch meist kleinere Gegenstände deponiert. Diese Gegenstände kann der Finder entnehmen und im Tausch einen anderen Gegenstand hineinlegen. Hierbei gilt die Devise: »Trade up, trade equal or don’t trade«, also dass man einen gleich- oder höherwertigen Gegenstand im Austausch hineinlegen oder aber eben nicht tauschen soll.
Die Caches werden von anderen Geocachern ausgelegt – also versteckt – und dann auf den entsprechenden Webseiten, wie zum Beispiel geocaching.com, veröffentlicht. Hierbei gibt der »Owner« des Caches an, wie dieser zu finden ist. In der Regel kommen hier Koordinaten, Karten und Hinweise zum Einsatz. GPS-Geräte sind also zur modernen Schatzsuche unabdingbar.
Vielerlei Cacherei oder »Der Weg ist das Ziel«
Es gibt unterschiedliche Varianten dieser Caches. Da wäre zunächst einmal der traditionelle Cache, bei dem die Koordinaten angegeben sind und man vor Ort »nur« noch den gut versteckten Behälter finden muss. Diese einfachen Caches eignen sich sehr gut zum Einstieg in die Materie.
Eine andere sehr beliebte Form der Caches sind die sogenannten »Multi-Caches«. Bei diesen gilt es mehrere Stationen (Stages) auf dem Weg zum Cache zu absolvieren. Jede dieser Stationen gibt Hinweise auf den finalen Fundort. An den einzelnen Stationen findet man dann z.B. die Koordinaten der nächsten Station in einem Mini-Cache. Auch kann es sein, dass es sich um eine Landmarke handelt, an der die Erfüllung einer gewissen Aufgabe (notieren von Zahlen auf Schildern, Zählaufgaben, Rätsel usw.) zur nächsten Station führt oder einen Hinweis für die Ermittlung der finalen Koordinaten liefert.
Ebenfalls sehr populär sind »Mystery-Caches«. Diese erfordern schon zu Anfang solide Denkarbeit, bevor man loslegen kann. Es müssen zuerst Rätsel gelöst oder Codes dechiffriert werden, die einen dann entweder zur ersten Station eines Multis oder aber zum Cache selber führen. Der Phantasie der Owner sind hierbei keine Grenzen gesetzt.
Zwar gibt es noch weitere Formen von Caches, aber wir wollen uns für diesen Artikel mit diesen drei Hauptvarianten bescheiden.
Gerade bei Multis und Mysteries wird deutlich, dass der Weg das Ziel ist. Es sollen nicht nur stumpf verborgene Behälter entdeckt, sondern eben die Gegend erkundet und die grauen Zellen angestrengt werden. Aus diesem Grunde werden auch oft z.B. historische Details oder Wissenswertes über den Ort, an dem der Cache zu finden ist, in der Beschreibung angegeben und in die Aufgabenstellung eingearbeitet.
Den ersten Cache finden
So, jetzt wollen wir aber loslegen und unseren ersten Cache heben. Dazu müssen wir uns erst kostenlos auf Geocaching.com registrieren. Auch benötigen wir etwas Ausrüstung. Da es Koordinaten zu finden gilt, benötigen wir entweder entsprechende Apps für unser Smartphone oder aber ein GPS-Gerät. Aufgrund der Vielzahl an zusätzlichen Funktionen, würde ich für den Anfang das Smartphone empfehlen (später wird ein GPS-Gerät, gerade im unwegsamen Gelände, unabdingbar), auf welches wir uns die folgenden Apps installieren:
• c:geo
Dies ist wohl die beliebteste App unter Geocachern, da sie Zugriff auf die Daten von Geocaching.com und viele weitere nützliche Funktionen bietet. Die App kann kostenlos über den Playstore von Google heruntergeladen und installiert werden. Auch eine ausführliche Anleitung findet sich im Store.
• OSM – Offline Maps
Um möglichst wenig auf das Internet zugreifen zu müssen, ist es ratsam, sich Karten für die Offline-Nutzung auf dem Handy zu installieren. Dies ist sehr simpel, aber effektiv. Hierfür lädt man sich die benötigten Karten von Mapsforge.org herunter und kopiert sie z.B. in ein Verzeichnis »Maps« auf der SD-Karte des Smartphones. In den Einstellungen von c:geo kann man nun als Kartenquelle »OSM:Offline« auswählen und die App findet dann in der Regel selbstständig den Kartenordner.
Jetzt benötigen wir eigentlich nur noch einen Stift und einen kleinen Notizblock, um ggfs. Rätsellösungen, Hinweise oder Ergebnisse von Stationen zu notieren. Auch kommt es vor, dass der Stift im Cache nicht mehr schreibt und da sollte man dann schon einen eigenen Schreiber dabei haben.
Ein paar kleine Gegenstände zum Tauschen sollte man auch einstecken und natürlich kann auch eine kleine Taschenlampe (eine Maglite für nächtliche Exkursionen) nicht schaden. Alles andere, Kompass, Karten und Daten liefert uns ja c:geo.
Bevor wir uns nun auf unser erstes Abenteuer stürzen, können wir uns die Arbeit noch etwas erleichtern, indem wir uns Greasemonkey für Firefox und das »Send to c:geo«-Script hierzu von der Seite http://send2.cgeo.org installieren. Eine ausführliche Anleitung dazu – keine Angst, so schwer ist es nicht – findet sich auf der Seite unter dem Menüpunkt »How to«.
Zuerst loggen wir uns jetzt auf Geocaching.com ein, um uns einen Überblick über die verfügbaren Caches in unserer Region zu verschaffen. Wählen Sie also in der Suche z.B. ihre Postleitzahl aus oder lassen Sie die exakte Position via Netzwerk bestimmen.
Beim ersten Cache ist es sinnvoll, einen traditionellen Cache (erkennbar am Icon mit der grünen Box) auszuwählen. Sie können sich die verfügbaren Caches entweder in einer Liste oder aber direkt auf der Karte anzeigen lassen.
Achten Sie bei der Auswahl auch auf die Schwierigkeits-Angaben zum Cache. Jeder Cache hat diesbezüglich zwei Ratings: Terrain und Difficulty. Erstere beschreibt, wie herausfordernd das Gelände ist und Difficulty bewertet die Anforderungen zum Auffinden des Caches (Rätsel usw.). Für den Anfang sollten Sie Caches mit 1-2-Sterne-Ratings für beide Optionen bevorzugen.
Wenn Sie einen ansprechenden Cache ausgemacht haben, können Sie diesen entweder per »Send to: c:Geo« – Button (wenn Sie das Skript installiert haben) oder aber über die Suche in c:geo selbst in die App laden.
a) Mit »Send to: c:geo«:
In der Beschreibung der App auf den »Send to: c:geo« Button drücken. Dieser ist nur sichtbar, wenn das Script installiert ist.
In der App dann klickt man im Startscreen auf »Gespeicherte…«, um zu den gespeicherten Caches zu gelangen. Dort ruft man das Menü auf und wählt dort unter »Verwalten« die Option »Aus dem Internet importieren« auf. Daraufhin wird die App die gespeicherten Caches abrufen und speichern, so dass sie auch offline abgerufen werden können.
b) Ohne »Send to: c:geo«:
Am schnellsten ist der Cache in c:geo, wenn Sie sich auf der Beschreibungsseite den GC-Code oben rechts notieren. Jetzt müssen Sie in c:geo nur noch die Suche aufrufen und dort den GC-Code verwenden. Befindet sich der Cache in Ihrer Nähe, so können Sie diesen auch über den Button »In der Nähe« aufspüren.
Vergessen Sie nicht, den Cache für die Offline-Nutzung zu speichern!
So, gehen wir nochmal kurz die Checkliste durch:
• Cache-Beschreibung gelesen und verstanden?
• Notwendige Daten notiert und in die App geladen?
• Die entsprechenden Karten für die Offline-Nutzung gespeichert?
• Equipment eingepackt (Stift, Notizblock, Tauschgegenstände, evtl. Taschenlampe)?
• Eventuell zusätzlich erforderliche Ausrüstung/Gegenstände für den Cache?
• Kleidung und Schuhwerk auf das Gelände abgestimmt?
(mit Flipflops ins Unterholz ist »nicht witzig«, sagt das Känguru …)
• Evtl. Getränke und Stullen für den kleinen Hunger zwischendurch
Auf ins Gelände
Jetzt können Sie sich an den Ort des Geschehens aufmachen. Viele Caches finden sich in solchen Gebieten, die man nicht direkt mit dem Auto erreichen kann. In dem Fall gilt es, einen günstigen Parkplatz anzusteuern, sofern nicht der Verstecker selber in der Beschreibung schon die Koordinaten zu einem geeigneten Parkplatz angeben hat. Es gibt aber auch sogenannte »Drive-In-« bzw. »Drive-By-Caches«, bei denen der Cache in unmittelbarer Nähe zur Parkgelegenheit zu finden ist.
Als Nächstes wird mit Hilfe der Karte in c:geo zur ungefähren Position des Caches navigiert. Es kann vorkommen, dass es hier sinnvoller ist, GoogleMaps zu verwenden, anstatt der Karten aus OSM. Das muss man vor Ort entscheiden.
Erreicht man die Gegend, in der der Cache versteckt sein soll, so wechselt man in c:geo zur Kompass-Ansicht. Der Kompass zeigt einem dann die Richtung und die Entfernung zum Cache an. In unmittelbarer Nähe zum Cache heißt es dann: Augen auf und suchen!
Da in der Beschreibung in der Regel angegeben ist, wie groß der Cache ist, haben Sie meist schon eine Idee davon, was Sie suchen und wo es versteckt sein könnte. Aber vergessen Sie nie, dass es sehr geschickt versteckte Caches gibt, bei denen sich der Behälter zum Beispiel in einem ausgehöhlten Schild-Pfeiler verbirgt. Aus diesem Grunde kann es oftmals helfen, sich via c:geo nochmals die Beschreibung und die dazugehörigen Log-Einträge aufmerksam durchzulesen.
Gefunden – und nun?
Sie haben es geschafft und den ersten Cache aufgespürt. Gratulation! Jetzt dürfen Sie sich im Logbuch des Caches verewigen und können, sofern möglich, einen Gegenstand aus dem Cache tauschen. Letzteres ist jedoch keine Pflicht.
Danach wechseln sie in c:geo auf die Logbuch-Seite in der Cache-Beschreibung, wählen das Menü an und über »Besuch loggen« können Sie jetzt Ihren Fund auch online auf Geocaching.com vermerken.
Bevor Sie aber nun zum nächsten »Schatz« aufbrechen, vergessen Sie nicht, den Cache wieder dort zu verstecken, wo Sie ihn fanden. Schließlich soll ihn auch der nächste Geocacher noch aufspüren können und sogenannte »Besserverstecker« sind in der Szene verpönt. Wenn Sie aber finden, dass der Cache schlecht versteckt ist und ihn »Muggels«, also unbeteiligte Passanten, zu leicht entdecken könnten, dann schreiben Sie via Geocaching.com direkt den Owner an und teilen Sie ihm das mit. Aber ändern Sie das versteckt niemals eigenmächtig!
Travel-Bugs und Coins
Hin und wieder finden Sie vielleicht in einem Cache ein sogenanntes »Trackable Item« wie einen »Travel-Bug«. Diese Items haben eine besondere Aufgabe: Sie wurden von ihren Besitzern auf eine Reise geschickt, die dokumentiert werden soll. Meist sagt schon eine Info am Travel-Bug (diese sehen aus, wie die »Hundemarken« bei der Armee), was sich der Besitzer für diesen Bug wünscht. Das kann eine Reise durch Deutschland sein von Cache zu Cache oder auch eine Weltreise des Bugs.
Einen solchen Bug sollten Sie nur dann mitnehmen, wenn sie ihn in absehbarer Zeit in einem geeigneten anderen Cache deponieren können. Diese nächste Station sollte weiter von der aktuellen entfernt liegen oder sogar ein »TB Hotel« sein. »TB Hotels« sind spezielle Caches, die in der Nähe von wichtigen Verkehrsknotenpunkten liegen (Flughäfen, Autobahnen, Bahnhöfe) und von reisenden Geocachern en passant besucht werden können.
Wenn Sie sich entschließen, einen solchen Bug mitzunehmen, dann dürfen Sie nicht vergessen, das Herausnehmen und das weitere Deponieren dieses Trackables in dessen Log zu dokumentieren.
Noch einige wichtige Regeln
• Bergen oder Verstecken Sie den Cache niemals, wenn »Muggels« Sie dabei beobachten!
• Versuchen Sie keine Caches zu bergen, zu denen Ihnen die Voraussetzungen und Fähigkeiten fehlen (z.B. Kenntnisse in Bergsteigen, Tauchen; Ausrüstung usw.)
• Achten Sie die Natur und vermeiden Sie es, durch das Verlassen der Wege, das Wild aufzuscheuchen oder zu stören!
• (Nächtliche) Caches im Wald können Gefahren bergen. In manchen Regionen Deutschlands gibt es Tiere, wie zum Beispiel Wildschweine, die dem Menschen gefährlich werden können. Seien Sie also bei Waldabenteuern in solchen Gegenden »laut genug«(Stichwort »Bärenglöckchen«), damit das Wild Sie vorher wahrnimmt und ausweichen kann!
Sollte Ihnen dennoch irgendwann ein Keiler gegenüberstehen, treten Sie den geordneten Rückzug an und schmettern Sie dabei ein lautes Lied.
Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen viel Spaß beim Geocachen zu wünschen. Ich hoffe, dieses Hobby wird sie ebenso begeistern, wie es mich in kürzester Zeit gepackt hat.
(-th-)




