Nov 082010
 

Wie angekündigt möchte ich meine Reihe “Lokalitäten, die man meiden sollte” heute mit einem Bericht über meine Erlebnisse im Kölner “Tag- und Nachtcafé” am Hohenstaufenring eröffnen. Wem bei der Überschrift schon nichts Gutes schwant, der wird nicht enttäuscht werden. Wer meine bereits veröffentlichte Rezension auf Dooyoo gelesen hat, der weiß, dass man den nun folgenden Artikel besser nicht lesen sollte, wenn die eigene Ekelschwelle nicht sehr hoch angesiedelt ist. Warum ich diese Lokalität in meine Liste aufgenommen, ihr die schlechteste aller möglichen Negativbewertungen zuweisen musste und es eine gastronomische No-go-Area nenne, lesen Sie im folgenden Artikel.

Wie ich bereits in der Ankündigung erwähnte, habe ich das “Tag- und Nachtcafé” (Hohenstaufenring 11, Köln) am vorletzten Wochenende, genauer gesagt in der Nacht vom 30. auf den 31.10 mit einer Begleitung besucht. Es sollte der nette Abschluss eines netten Abends werden und endete in einem gastronomischen Fiasko der besonderen Art.

Der aktuelle Artikel als Podcast:  

Das Erste, was mir an diesem Etablissement negativ auffiel, war die Tatsache, dass sich die Eingangstür nicht richtig schließen ließ und so immer mindestens eine Handbreit offen stand. Bei Außentemperaturen von um die 5° Celsius ist das nicht wirklich angenehm, aber glücklicherweise war noch ein Plätzchen neben der Heizung frei. Leider war diese natürlich außer Betrieb, wie eine Anfrage bei der weiblichen Bedienung ergab. Besagte Tür und die weibliche Bedienung bringen mich auch zum ersten handfesten Kritikpunkt: Dem Personal, verkörpert durch eine junge weibliche Bedienung.

Ich bin eigentlich keine Kellnerin, ich bin Model …

Was diese Dame primär auszeichnete, war eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit gegenüber den Gästen und ihren Aufgaben als Bedienung. Ihr ganzer Habitus verriet eine Einstellung, die man vielleicht am besten mit dem Satz “Ich bin eigentlich keine Bedienung, sondern ein Model. Ich gehöre gar nicht hierher.” charakterisieren könnte. Wie bereits erwähnt, ließ sich die Tür nicht ganz schließen, und wenn neue Gäste das Lokal betraten, pflegte sie auf halbem Wege zum Türrahmen erstmal demonstrativ stehen zu bleiben, so als wolle sie die Gäste schon gemahnen, diese Örtlichkeit besser postwendend zu verlassen. Wer nun meint, dass besagte Bedienung, der natürlich die sperrangelweit offen stehende Tür augenscheinlich auffiel, diese dann auch schloss, der hat weit gefehlt. Ihre Taktik hier sah etwas anders aus: Sie wartete einfach, bis einer der Gäste aufstand und die Tür schloss.

Wahlweise wässrig oder schal – je nach Gusto

Nachdem jene Dame uns – in ihrer gewohnt gleichgültigen Art und Weise und ohne ein Wort der Begrüßung – die Karte auf den Tisch geknallt hatte, beschlossen wir, es langsam angehen zu lassen und orderten erst einmal Getränke. Wir bestellten eine Cola (2.- €) und einen KiBa (Kirsch-Banane, 2.30.-€), also eine derart simple und anspruchslose Bestellung, dass man meinen könnte, hier kann selbst der unfähigste Gastronom nicht viel falsch machen. Oh doch, er kann! Als uns die Getränke serviert wurden, wobei serviert hier wieder der falsche Begriff ist. Formulieren wir es besser so: Als man uns in der gewohnt gleichgültigen Art die Getränke vor die Nase stellte, verriet schon der erste Blick auf die dunkelbraune Plörre, die man dort Cola zu nennen beliebt, dass hier wohl die Kohlensäure extra bestellt werden muss und auch der wässrig ineinander verlaufene KiBa ließ Schlimmes vermuten. Die erste Geschmacksprobe bestätigte unsere Befürchtungen. Die Cola schmeckte schal und abgestanden und der KiBa wie ein nicht genauer definierbares Irgendwas von wässriger Konsistenz, aber nicht wie ein KiBa. Mein Bedürfnis, hier auch einmal die Küche auszuprobieren, sank in Anbetracht dieser “Getränke” schon merklich. Gerade der wässrige KiBa warf die Frage auf, ob hier einfach nur die billigsten Zutaten Verwendung finden, oder ob hier vielleicht bestimmte Getränke, im Sinne der von der Regierung angeregten Sparmaßnahmen, ein wenig mit Wasser gestreckt werden. Zugunsten des Betreibers will ich einmal annehmen, dass Ersteres der Fall ist. Aber wie man es auch dreht und wendet: 2.30.-€ Euro für einen wässrigen, nahezu geschmacksneutralen KiBa ist ebenso eine Unverschämtheit, wie 2.-€ für eine kleine abgestandene Cola. Jede Billig-Cola aus einem beliebigen Discounter dürfte geschmackvoller und erfrischender als das sein, was man mir im “Tag- und Nachtcafé” zu servieren die Frechheit besaß.

Keime und Fäkalbakterien bitten zum Tanz

Da mir solche gastronomischen Fehlleistungen auf die Blase zu schlagen pflegen, war es nun an der Zeit die sanitäre Unterwelt des “Tag- und Nachtcafés” zu erkunden. Die WCs befinden sich im Keller des Lokals und sind über eine Treppe im hinteren Bereich des Schankraumes zu erreichen. Schon auf der Treppe drang jener vertraute Geruch von altem Seich1 in meine Nase, wie man ihn auf alten Bahnhofsklos und Toiletten auf Autobahnparkplätzen vernehmen kann. Eine innere Stimme mahnte mich, doch besser auf dem Absatz kehrt zu machen und mich doch besser wie ein räudiger Straßenköter am nächsten Laternenpfahl zu entleeren. Jedoch obsiegten meine gute Erziehung und der Druck auf der Blase.

Der Anblick und der Geruch, die sich mir beim Betreten des Herren-WCs boten, verschlugen mir Atem und Sprache. So was hatte ich zuletzt auf einem Autobahnparkplatz gesehen. Auf dem Boden vor den Pissoirs waberten große Pfützen aus Urin, Dreck und anderen nicht näher bestimmbaren Substanzen. Gleiches fand sich vor Waschbecken und WC. Auch auf den Armaturen befand sich ein nicht weiter definierbarer Glibber, der den Gesamteindruck dieser Kloake abrundete. Kurzum, auf diesem sanitären Orkus watet man in den Hinterlassenschaften der vorherigen Besucher und ich mag mir gar nicht ausmalen, welche “bleibenden Erinnerungen” sich man hier einfangen kann. Dieses hygienische Desaster spricht eine deutliche Sprache über die Arbeitsauffassung des Betreibers, sowie über die Klientel, die dort anscheinend zu verkehren pflegt.

Als ich – mein Teint hatte von einem gesunden Blass-Rosa in ein dezentes Grau-Grün gewechselt – dieses, man verzeihe mir diesen Begriff, Scheißhaus dann verließ kam gerade die uns wohlvertraute weibliche Bedienung die Treppe hinunter und verschwand in der Damen-Toilette. Ich harrte einen Moment aus. Man hörte die Spülung rauschen und nur wenige Sekunden später verließ die junge Dame wieder das WC. Entweder vermag es diese Bedienung, sich binnen Bruchteilen einer Sekunde die Hände zu waschen oder aber, sie betrachtet das Waschen der Hände nach einem Besuch des Aborts als Zeitverschwendung. Bei dem Gedanken daran, dass ich vor wenigen Minuten aus einem Glas getrunken hatte, welches von dieser Dame serviert worden war, drehte sich mir den Magen abermals herum.

Eine alte Redensart in der Gastronomie besagt, dass der hygienische Zustand der Toiletten Rückschlüsse auf die selbigen Verhältnisse in der Küche zulässt. Wem wurde es nicht schon als Kind gepredigt, dass man sich in einem Restaurant immer zuerst die Toiletten ansehen soll, und bei groben Sauberkeitsdefiziten dieser Örtlichkeit besser das Restaurant auf schnellstem Wege wieder verlassen sollte. Ich sage es ganz offen: Ein Lokal, in dem man den Gästen einen Lokus zumutet, dessen Anblick an Dresden ’45 und eine Party von Fäkalbakterien erinnert, hat seine Chance darauf, dass man es auch an seinen Speisen misst, verspielt. Wenn schon die Sauberkeit in den Räumlichkeiten, die von den Gästen aufgesucht werden können, mit degoutant noch sehr wohlwollend umschrieben ist, dann möchte man einfach nicht wissen, wie es der Gastronom mit der Sauberkeit in den Räumen hält, die der Gast nicht zu sehen bekommt.

Und dafür auch noch Trinkgeld?

Essen wollte ich hier definitiv nichts mehr. Allerdings sah ich mir jetzt auch mal den Gastraum etwas genauer an und musste feststellen, dass auch dieser im Punkto Reinlichkeit alles andere als zufriedenstellend war. Besonders deutlich wurde das an den weißen Kunststoffeinfassungen der Eingansfront, die im unteren Bereich eine dicke schwarze Dreckkruste aufwiesen. Und solcher Dreck entsteht nicht innerhalb von ein paar Stunden. Hier wurde schon länger nicht mehr ordentlich geputzt.

Wir beschlossen, diese gastronomische No-go-Area sofort zu verlassen und baten um die Rechnung. Beim Bezahlen sprach ich natürlich die Bedienung auf die desolaten Zustände auf dem WC an. Wer nun glaubt, dies sei der Dame peinlich oder wenigstens unangenehm gewesen, der irrt. Die Antwort war ein gleichgültiges Achselzucken kommentiert mit den Worten “Keine Ahnung …”. Keine Ahnung? Die Dame hatte erst vor wenigen Minuten diese Ekel-Latrinen selber aufgesucht und gab nun vor, nicht zu wissen, in welchem Zustand diese sich befinden? Selbst wenn die Damen-Toiletten sich in besserem Zustand befanden, als das Herren-WC, so muss man schon absolut geruchsresistent sein, um den stechenden Seich-Geruch auf der Treppe nicht zu riechen. Hierzu fällt mir nur ein Wort ein: unfassbar! Man könnte allerdings daraus schließen, dass dieser Seich-Geruch dort so normal ist, dass ihn die Bedienung nicht mehr als störend empfindet und das ist nun wirklich mehr als bedenklich.

Als ich der Bedienung das Geld abgezählt überreichte, strafte sie mich noch mit dem typischen “Was? Kein Trinkgeld? Geizkragen! ”-Blick. Sie ist es anscheinend gewohnt, dass man ihr alleine schon aufgrund ihres aufreizenden Gesäßes den ein oder anderen Euro Trinkgeld zusteckt.

Das Fazit

Wenn Sie mir bis hierhin folgen konnten, dann werden Sie verstehen, warum ich diese Lokalität mit dem “Brechreiz”-Rating auszeichnen musste. Es gibt nun mal Grenzen, da hören Spaß und Wohlwollen auf und die sind spätestens dann erreicht, wenn die hygienischen Zustände augenscheinlich ein gesundheitliches Risiko für die Gäste darstellen könnten. Aus diesem Grunde sah ich mich auch gezwungen, es in diesem Fall nicht bei einer vernichtenden Kritik zu belassen, sondern gleich am nächsten Werktag die Behörden zu informieren.

Bis zu meinem Besuch der Toiletten wäre das “Tag- und Nachtcafé” vielleicht noch mit einem “Oh, mein Gott”- oder “Autsch”-Rating davongekommen, aber die hygienischen Gegebenheiten auf dem WC lassen nur noch die schlechteste aller Bewertungen zu. Fassen wir die einzelnen Punkte noch einmal kurz zusammen:

1. Die Bedienung war gleichgültig, unprofessionell und als Servicekraft eine Zumutung für die Gäste
2. Die Cola war schal und abgestanden und bar jeder prickelnder Kohlensäure
3. Der KiBa war wässrig und nahezu geschmacksneutral
4. Der Uringeruch der Toiletten war schon auf der Treppe zu vernehmen
5. Das Herren-WC war in einem untragbaren hygienischen Zustand (Urin/Dreckpfützen, verschmierte Armaturen)
6. Die Bedienung besuchte das WC allem Anschein nach ohne sich danach die Hände zu Waschen
7. Auch im Gastraum fand sich verkrusteter Dreck an der Eingangsfront
8. Die Tür ließ sich nicht schließen und die Heizung funktionierte nicht

Ich denke, diese 8 Punkte sprechen für sich und rechtfertigen es, das “Tag- und Nachtcafé” als gastronomische No-go-Area zu brandmarken und vom Besuch dieses Etablissements eindringlich abzuraten.

Zudem ergaben Recherchen im Internet, dass diese Problematik nicht erst seit gestern besteht und dem Betreiber durchaus bekannt sein dürfte:

Am 23.02.2009 schrieb Mautizia:
Hallo..
Ja zu Thema Kellner und Toiletten^^
Ich habe meinen 22 Geburtstag dort gefeiert und war mit ner Freundin auf Toilette. Da kam eine Kellnerin rein, ging auf die Toilette und stürmte ohne sich die Hände zu waschen wieder raus.
So etwas wiederliches, dass ist einfach unglaublich. Vor allem möchte man von solch unhygienischen Leuten auch nicht bedient werden!
Ich werde nie wieder dort hingehen! (Quelle: Kneipen-suche.com)

Das bestätigt abermals den Eindruck, den ich von der Bedienung bei meinem Besuch hatte. Scheint so, als würde man hier dem Gast gerne seine eigenen Fäkalbakterien als Gratis-Beilage zu Speis und Trank reichen wollen.

Am 14.01.2009 schrieb BC GGOB:
Unsauberkeit hat einen neuen Namen. Die T&N Toiletten.
Das sind doch keine Toiletten. Ist da überhaupt seit Eröffnung schon mal sauber gemacht worden???
Und dieser Gestank! Eine Rastplatz Toilette auf der Autobahn ist dagegen ja wohl das Paradies.
Die Wasserkosten könnt ihr euch sparen, wenn ihr die Gäste einfach die Treppe runter pi**en lasst.(Quelle: Kneipen-suche.com)

Solche und ähnliche Kritiken finden sich auf einigen Seiten, aber anscheinend stören sie den Betreiber nicht, da es ja genug “hartgesottene” Studenten gibt, die man mit günstigen Cocktail- und Speisepreisen anlocken kann. Das zeigen auch die positiven Kritiken zu diesem Lokal auf der o.a. Seite, die ihre positiven Bewertungen ausschließlich an den Preisen festmachen, und das Problem mit den sanitären Einrichtungen herunterspielen. Es mag ja auch sein, dass das Essen dort sehr gut schmeckt, aber das will ich in einem Lokal, das solch eklatante hygienische Mängel bei den sanitären Einrichtungen aufweist erst gar nicht ausprobieren.

Ein Gastronom, der seinen Gästen eine solche Kloake als Toilette zumutet, der hat in der Gastronomie nichts zu suchen. Auch scheint der Betreiber ja nicht in der Lage zu sein, sein Personal so zu führen, dass es einfachste Hygienevorschriften einhält und den Gast einigermaßen zuvorkommend bedient. Personal, gerade auch ungelerntes, braucht eine solide Führung und diese liegt alleine in der Zuständigkeit des Betreibers. Wer seinen Laden so führt, der beweist in meinen Augen, dass es ihm nur um den schnellen Euro und nicht um seine Gäste geht.

Sollten Sie, geneigte Leserinnen und Leser, also jemals unsere schöne Domstadt besuchen, dann meiden sie besser dieses Lokal und kehren in einem der vielen Brauhäuser unserer Stadt ein, da sie hier in der Regel Derartiges nicht erleben müssen.

Bewertung und abschließendes Urteil

Mein Gesamturteil über das “Tag- und Nachtcafé” in Köln, Hohenstaufenring 11:

Dieser Laden zeichnet sich primär durch einen besonders hohen Ekelfaktor bei den sanitären Einrichtungen und gleichgültiges, unprofessionelles Personal aus. Wer ein Faible für Fäkalbakterien und Keime hat, der wird auf dem WC dieses Etablissements garantiert nicht enttäuscht. Auch wer seine Cola lieber Schal und abgestanden mag und wässrigen Drinks nicht abgeneigt ist, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine gastronomische No-go-Area mit dem Charme einer versifften Autobahntoilette.

(-th-)

  1. Bezeichnung für Urin aus dem Oberdeutschen
WordPress Wizard 2.0
[Werbung]

  2 Responses to “Ein Lokus, wie Dresden ’45”

  1. Gut geschriebene Kritik! ;) Dann weiß ich ja jetzt, wo ich besser nie einkehren werde…
    Den Vergleich mit Desden ’45 finde ich allerdings geschmacklos.

    • Danke. Der Titel sollte auch geschmacklos und provokant sein. ;)
      Ich habe eine Woche lang überlegt, ob ich als Überschrift den letzten Satz (‘Eine gastronomische No-go-Area mit dem Charme einer versifften Autobahntoilette’) oder aber den jetzt verwendeten Titel nehmen sollte. Allerdings erschien mir dieser dann nicht provokant genug.

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>